Dies ist meine neue Infokategorie in der ich über mich, meine Erfahrungen zu verschiedenen Themen oder über interessante Dinge aus der Pferdeszene berichte.

Angefangen mit:

» "Ich bin Diplom Kinetik Trainer" – "Was, bitte?"

Ein Diplom Kinetik Trainer kann - Pferde energetisch behandeln, um Muskelverspannungen und Blockaden zu lösen - eine harmonische Verbindung zwischen Pferd und Reiter erschaffen - Atemtechniken anwenden, um das Reiten zu verbessern - das Pferd und den Reiter motivieren– Bewegen macht Spaß! - neue Bewegungsmöglichkeiten aufzeigen - Körperbewusster machen

4 Jahre lang habe ich bei dem Engländer Ian Stevenson gelernt. Mit eigenen und fremden Pferden gearbeitet. In Deutschland und in den USA. Mein Schwerpunkt lag auf der Behandlung und dem Umgang mit verhaltensauffälligen Pferden.

Alles begann in einem meiner Praktiker auf einem großen Islandpferdegestüt. Dort ließ man mich mit einem schwierigen, jungen Wallach arbeiten, der beim Einreiten große Probleme machte. Zunächst machte ich mit ihm freie Arbeit und Vertrauenstraining und gewann ihn auf meine Seite. Mein Herz wollte ihm helfen. Da ich nur 3 Wochen im Praktikum war, war die Zeit also sehr begrenzt und ich musste gehen, ohne ihn. Ein paar Monate später, machte ich auf dem gleichen Gestüt wieder Praktikum und beim Willkommen heißen, kam mir gleich die Aussage entgegen: "Der Weiße, dein Pferd ist auch wieder da". Der Wallach war also zwischendrin verkauft worden, dann aber wiedergekommen, weil er seinen Reiter immer abwarf. Somit übernahm ich ihn wieder, diesmal auffällig scheu. Mit viel Zeit und der richtigen Sprache, kamen wir wieder auf einen Nenner. So ging es nochmal. Praktikum zu Ende, ich weg, Pferd verkauft. Ein halbes Jahr später, dann das dritte Praktikum - und er, der Geisli, war auch wieder da. Diesmal warnte man mich aber, dass er wohl eigentlich keine Chance mehr bekommt, ein weiterer Verkauf wurde ausgeschlossen. Ich nahm ihn also mit und bezog Geisli in die Ausbildung mit ein. Einige Jahre mit Höhen und Tiefen dauerte es, die körperlichen und seelischen Blockaden zu lösen. Doch es lohnte sich. Geisli entdeckte seinen Lebenswillen wieder und lässt sich in den Grundgangarten wieder reiten. Mich lehrte das Geduld, die richtigen Entscheidungen treffen und das passende Maß finden an was man geben kann.

In der Ausbildung ging es aber auch um die Arbeit von Mensch zu Mensch. Die Behandlungsmethoden Orthobionomie, sowie Cat Kinetic und Feldenkrais sind ideal für den Menschen, um sich zu entspannen, zu lösen und bewusster zu werden.

Die Möglichkeiten des Kinetik Trainers beziehe ich in meinen Unterricht mit ein. Auf Wunsch sind auch gezielte Anwendungen für Mensch oder Pferd möglich. Bitte sprechen Sie mich an.

» Ich will nur Indianer sein

Horsemanshiptraining, Freiheitsdressur, Pferdesprache oder wie auch immer man es bezeichnen will ist immer wieder ein Thema. Seid Jahren wende ich diese Art der Kommunikation mit dem Pferd an und gebe auch Seminare dazu. Kurz gesagt geht es darum, dass das Pferd einen als anderes Pferd anerkennt, dass es eine Rangfolge gibt, das man fordern und auch Vertrauen geben kann. Im Gespräch mit anderen Trainern wird zumeist eine Meinung klar. Nämlich dass der Reiter das Alphatier sein sollte, der Ranghöhere, der Bestimmer, der Häuptling.

In letzter Zeit vermehrt, habe ich mit Reitschülern zu tun, die aber eine andere innere Einstellung pflegen- "Ich will nur Indianer sein, ich habe eigentlich gar kein Drang dazu die Führung zu übernehmen." Im ersten Moment beginne ich zu zögern und denke, dass es aber natürlich einfacher ist, beim Reiten und in der Bodenarbeit ein Chef zu sein.

Im zweiten Moment wird mir aber klar, ja sicher, nicht jeder ist dafür geschaffen. Nicht jeder hat Ambitionen eine Herde, eine Gruppe, Mitarbeiter anzuführen und als Häuptling aufzutreten. Was wäre das auch für eine Berufswelt, wenn sie nur aus Chefs bestände. Manche können es, manche können es lernen und streben auch danach und manche sind zufrieden mit dem was sie sind. So ist es in der Herde doch auch. Selbst der letzte, der Omega fühlt sich wohl und nicht minderwertig, er hat einen sicheren Platz in der Gruppe.

Also, wenn ich nun mit einem Mensch arbeite, der den Glaubenssatz hat, er ist kein Anführer und man auch merkt, das er damit zufrieden ist und in seinem Alltag gut klar kommt, dann sollte ich ihn als Reiter auch so anerkennen. Natürlich darf ein Pferd nicht nur das tun was es gerade will. Aber von jemanden der keine Chefambitionen hat, abzuverlangen, dass er es nun beim Pferd sein muss, kann ja auch nicht richtig sein.

Mein eigenes Gefühl, mein Anspruch oder meine Vision, wie ich mit den Pferden arbeite ist nicht eins zu eins auf alle übertragbar. Ich als Reitlehrer sollte vielmehr Unterstützer, Begleiter sein. Verschiedene Lösungswege anbieten. Auch akzeptieren, wenn jemand mit, in meinen Augen, halb gutem Trab zufrieden ist, weil er nicht mehr treiben mag, weil er sich sonst schlecht fühlt. Ich als Reitlehrer muss die Waage halten. In erster Linie muss es dem Pferd gut gehen damit. Also ich meine, wenn eins meiner Schulpferde mal in einer Stunde etwas latschig geritten wird und der Reiter damit glücklich ist, dann schadet es dem Pferd nicht. Ich oder ein anderer Reiter kann es in der nächsten Stunde anders fordern und gymnastizieren, so dass eine Gesunderhaltung auch lange gewährt ist.

Hat der Reiter sein eigenes Pferd und reitet es immer latschig, weil er nie gerne treiben mag, weil er denkt dann fordert er vom Pferd zu viel, dann sollte ich überlegen, was ich dem Reiter noch für andere Wege zeigen kann, dass er sein Pferd gesunderhaltend trainiert. Massagen, Übungen aus der Bodenarbeit, Spaziergänge und Berge klettern im Wald oder ähnliches. Ich finde es ist meine Aufgabe als Reitlehrer den Mensch und den Reiter zu erkennen und im gewissen Maß zu fordern, aber ihn auch im gewissen Maß zufrieden zu lassen.

» Ein wahrer Schatz

Im Umkreis gibt es viele Reitschulen. Eine große Anzahl, vor allem Kinder, wollen reiten lernen. Natürlich hat nicht jeder direkt sein eigenes Pferd. Reiten lernen die meisten auf Schulpferden.

Als ich einmal auf der Suche nach einem neuen Schulpferd für meine Reitschule war, wunderte man sich über die Höhe des Preises, den ich bereit wäre auszugeben. Die Allgemeinmeinung: Ein Schulpferd muss billig sein. Ich war bereit, auch ein teures Pferd, mit entsprechenden Qualitäten zu kaufen.

Die Allgemeinmeinung vom Schulpferd ist eher negativ. Begriffe wie verritten, stumpf, es bockt und beißt sind eigentlich üblich. Irgendwie verstehe ich das nicht. Ich gebe seid 20 Jahren Unterricht. Jedes meiner Schulpferde ist mein Privatpferd. Wenn ich unterrichte, möchte ich dem Schüler doch beibringen, dass ein Pferd sensibel, lebenslustig und freundlich ist. Ich glaube, dass ein gutes Schulpferd unbezahlbar ist.

Wenn ich Verkaufsannoncen lese, wird oft geschrieben: "Keine Händler, keine Reitschulen". Der Ruf eine Reitschule ist also schlecht. Wenn ein Pferd dort hingerät, dann ist es sozusagen versaut. Ist das so? Tatsächlich erlebe ich es immer wieder, dass es so ist und das Schulpferde schlechter behandelt werden als die Privaten. Die Privaten kommen, wenn sie nicht eh in einem Offenstall stehen, öfters raus als die Schulpferde. Die Privaten haben mindestens ein bis zwei angepasste Sättel, die Schulis gurken mit den alten Sätteln rum. Die Privaten werden vom Physiotherapeut behandelt, die Schulis, wenns hoch kommt, beim Putzen massiert. Die Schulpferde müssen sich mit bocken und beißen wehren, das Privatpferd, wenn es bockt, wird sofort einem Verhaltenstrainer vorgestellt. Ich habe sogar schon von einem sehr angesehenen Hof live erlebt, als ein Reitschüler ein Pferd kaufen wollte, das extra Unterrichtsstunden verordnet wurden, mit der Aussage: "Reitet die eins der Verkaufspferde so, wie unsere Schulpferde, dann wird das Verkaufspferd gleich durchbrennen."

Ist das nicht verdreht?
Ich als Reitlehrer habe den Anspruch echte Pferdeleute auszubilden, die fein in den Hilfen sind und ein Pferd immer als wertvoll betrachten. Und bringe ich einem 6 jährigen Kind von Anfang an, eine positive Philosophie vom Reiten bei, dann muss ich es im Erwachsenenalter doch gar nicht mehr umbilden. Jetzt gibt es ja viele Umsteiger, die für sich festgestellt haben, dass der noch übliche Weg, nicht immer unbedingt gerecht für das Pferd ist.

Es bedarf einiges an Überlegung und Kraft- und Zeitaufwand und auch Investition – aber ich bin überzeugt – meine Schulpferde sind Schätze. Mein alter, mittlerweile verstorbener, Hegri – mein erstes eigenes Pferd – der hat gaaanz vielen Menschen das Reiten beigebracht und ich habe ihn gehegt und gepflegt bis ins hohe Alter. Ich habe ihn geliebt, ihm Auszeit gegeben, ihn gefördert und seinen Charakter wahrgenommen. Ich wünsche mir, dass man sich mehr Mühe gibt. Wenn ich nach außen vertrete – "Ja, das hier ist mein Schulpferd, du kannst auf ihm für 4,50 Euro die Stunde reiten und das hier ist mein Grand Prix Pferd eine Stunde kostet 65 Euro, dann ist es klar.

Neulich habe ich mich soo gefreut. Meine Lumikki, die auch als unsere Renn–Omi bezeichnet wird, ist immer ein heißer Feger. Ich lasse sie aber seid einiger Zeit nur gebißlos von den Reitschülern reiten, weil es ja nicht unbedingt angenehme ist, unruhige Hände von Anfängern auszugleichen. Und der heiße Feger ist glücklich und ruhig. Der Reitschüler lernt nicht durch ziehen das Pferd zu bremsen und auf eine Biegung zu bekommen, sondern durch Einsatz von Gewicht, Drehbewegung und Vorausblick. Und das Pferd ist brav!!!

» Freies Spiel wird nicht als wertvoll empfunden (?!)

Vor ein paar Tagen lud ich eine U3 Gruppe zu mir auf den Hof ein. Ziel, den Kindern Bauernhoftiere und die Natur näher zu bringen, zu erforschen, zu begreifen.

Wir begrüßten die Schafe und die Hühner. Natürlich waren auch die Ponys interessant und alle kleinen waren sogar so mutig, eine kleine Runde über den Hof zu reiten. Während die Kinder dann frei spielten und jedes auf seine Art und Weise alles erkundete, unterhielt ich mich mit der einen Erzieherin. Sie sagte, sie sei sehr glücklich, dass wir hier kein zuvor detailliert, erstelltes Programm durchziehen, sondern, dass die Kinder einfach Spielen dürfen und ihre eigene Erfahrungen machen. Sie erzählte, dass es häufig in den Kindergärten zu Diskussionen mit den Eltern kommt, weil das freie Spiel nicht unbedingt positiv bewertet wird. Sobald es keinen Plan gibt und ein laut ausgesprochenes Ziel, wird das, was das Kind erfährt als negativ oder sinnlos bezeichnet. Während wir uns unterhielten und wir beide der Meinung, waren genau das Gegenteil ist richtig, schauten wir den Kindern zu.

Zwei kleine arrangierten sich bei einem Spielauto und wechselten sich nonverbal ab. Der eine stieg ein, der andere schob oder belud den Kofferraum und dann umgekehrt. Ein anderes Kind saß inmitten der Blumenwiese und pflückte ganz bedächtig die Blüten. Der nächste holte sich einen Eimer und sammelte kleine Stöcker, um sie dann zur Feuerstelle zu bringen. Natürlich brannte kein Feuer, aber der Zweck wurde erkannt. Ein kleines Mädchen lockte immer wieder den Hund zu sich und lachte sich dann kaputt, wenn der Hund an ihr vorbei lief und sie mit dem weichen Fell berührte. Einfach schön. Die Kinder waren total zufrieden.

Im Reitunterricht versuche ich auch immer wieder "freies Spiel" einzubauen. Einige Zeit sollen die Reitschüler, dann selbständig Aufgaben reiten. Einen gewissen Rahmen gebe ich vor und bin natürlich auch unterstützend da, aber ich gebe nicht ununterbrochen Anweisung und Korrektur, sondern lasse auch mal selbst denken. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man seinem Reitschüler auch ruhig mal Fragen stellen sollte und ihn dann probieren lassen. Zum Beispiel: Was sind eigentlich lösende Übungen? Welche würdest du jetzt reiten? Und dann legt der Reitschüler los. Bemerke ich, dass es ihm nicht wirklich klar ist, helfe ich und rege somit auch die Mitarbeit und das Verständnis an. Oder am Anfang einer Reitstunde, Aufgabenstellung: Erwärme dein Pferd im Schritt, auf Biegungen, auf beiden Seiten. Eine Zeit lang beobachte ich nur und der Reitschüler entscheidet selbst welche Aufgaben ihm sinnvoll erschein. Im Anschluss die Frage: Was hast du bei der Erwärmung festgestellt? Gab es einen Unterschied zwischen den Seiten? Wieder prüft und reflektiert der Schüler. Und dann wird individuell in der Arbeitsphase weiter gearbeitet. Freies Spiel, freies Reiten ist unheimlich wichtig. Ich habe schon Reitschüler mit eigenem Pferd erlebt, die eigentlich nur dann einen Plan hatten, wenn der Reitlehrer in der Mitte stand. Aber die übrige Zeit, wenn sie alleine zu Hause trainierten, war eigentlich nie klar, wo es hinführt, was eine Übung bewirkt, wie man verbessert.

Manchmal darf es ein bisschen mehr Ponyhof sein. Ich erinnere mich an meine Kindheit und, wenn da auch nicht bewusst von den Hofbesitzern vorgegeben, durfte ich einfach viel selbst probieren, verschiedenste Pferde reiten, Große und kleine Pferde führen, freche Pferde handhaben, die liebsten ohne Sattel und nur mit Halfter reiten. Klar ist, im Unterricht ist auch das freie Spiel beaufsichtigt und ich achte sehr genau auf das Wohlbefinden meiner Pferde. Doch man muss die Schüler, insbesondere Kinder auch mal machen lassen. Im Ponyclub zum Beispiel, entstehen dann sogar richtig tolle Ideen. Die hatte ich gar nicht geplant, die Kinder sind selbst drauf gekommen. Ein Pferd wird zu zweit geführt, ein anderes Kind sitzt drauf und dann wird ein Parcour, sogar mit einem kleinen Sprung durchlaufen. Auch den Parcour haben die Kind selbst gebaut. Das bringt Spaß.

Freies Spiel und freies Reiten ist wertvoll! Als Reitlehrer sollte man immer wieder Anreize in diese Richtung einbauen. Nur dann kann auch aus einem Mensch ein Pferdemensch werden, der einfühlsam, umsichtig und logisch mit dem Pferd umgeht.

» Stille

Dieses Jahr habe ich seit sehr langer Zeit mal wieder Urlaub gemacht. Die letzten Jahren waren so voller Arbeit, immer schwierig jemanden zu finden der sich, wenn ich weg bin, ordentlich um die Pferde und den Hof kümmert. Aber diesen Sommer hat es geklappt – schon allein das machte mich so glücklich. Wir haben Verwandte in Finnland, daher zog es uns in diese Richtung. Nach langer Fahrt, saßen wir am ersten Abend mit Sonnenuntergang am See. Die Lieben an unserer Seite, gutes Essen und ein kühles finnisches Karhu (Bier).

Mir fiel direkt auf, wie ruhig alles war. Nein nicht nur ruhig, sondern richtig still. Das tat so gut. In meinem Alltag, muss ich zugeben, bin ich oft von den vielen Geräuschen etwas überlastest. Ich höre sehr intensiv und wenn die Geräusche kein Ende nehmen, ist das schon anstrengend. Gedanklich immer bei meinen Pferden, zog ich den Vergleich, das echte Stille beim Reiten, Stille oder Ruhe in der Hilfengebung auch nicht immer selbstverständlich ist.

Ich meine, wenn man auf dem Pferd sitzt, wann gibt es Momente in den man wirklich nichts macht? Ein gutes Beispiel ist, die Phase, in der man das Pferd lobt und die Zügel mal lang lässt. Nicht am Ende der Reiteinheit, sondern zwischendrin. Nach einer gute Lektion sollte immer das Lob kommen direkt und ohne weiterer Einwirkung kommen. Ich mache es meistens so, das ich das Pferd dann stehen lasse, im Stand die Zügel hingebe und stimmlich lobe, dann eine Weile lang Stille. Mir ist aufgefallen, das oft genau in der Phase, in der man dem Pferd eigentlich was gutes tun will und loben will, doch schon wieder korrigiert wird. Also, wenn ich weiter reite und die Zügel lang lasse und lobe, dann läuft das Pferd vielleicht nach innen und man will es am Hufschlag halten oder, es wird zu langsam oder es wird schneller. In der Zeit wo eigentlich Pause ist, gebe ich also trotzdem weiter Hilfen. Ich glaube es ist sehr wichtig Lob mit echter Stille zu verbinden, es ist intensiver für das Pferd und lässt es körperlich und geistig auch wirklich einmal kurz abschalten.

Im Gesamtbild der Ausbildung sollten Zeiten der Stille auch eingebaut werden. Einige machen es nach dem Einreiten des Pferdes. Das Pferd darf dann nochmal einige Zeit einfach nur auf der Weide sein, ohne das es trainiert wird. Auch regelmäßig gerittene Pferd finden Pausen oftmals ganz gut. Einfach mal zwischendrin nur Pferd sein, auch nicht geholt zu werden zum Putzen, gar nichts nur in der Herde sein. Für manche Pferde reichen 3 Tage, für andere 1 Woche für manche 4 Wochen. Einfach mal nur sein. Mir hat das echt gut getan.

» Der schwerste Weg

Ich erlebe es jeden Tag. Fast alle Reiter machen und tun, probieren und forschen, testen irgendwelche Hilfsmittel um ihr Pferd zu verbessern. Sie wechseln die Reitweise, sie wechseln den Sattel, sie lassen alles weg, sie schnallen alles dran, sie aktivieren mit verschiedenen Farben, sie sehen nur noch rot, sie versuchen es mit ein, zwei oder drei Leinen, sie lassen alle Leinen los. Aber am Ende kommt immer wieder ein großes Fragezeichen.

Die wenigsten fangen bei sich an. Gerade bei "geübten" Reitern liegt es Fern mal beispielsweise eine Siztschulung an der Longe zu machen. "Ich reite doch schon Jahre lang, voltigiert habe ich mit 7" hört man dann oder auch "Ne, das ist doch peinlich, wenn mich die anderen an der Longe sehen, denken die noch ich hätte en Problem" und andere Reiter kommen noch nicht einmal darauf, dass es vielleicht auch an Ihnen liegen könnte, das ihr Pferd sich verspannt. Stellt man die Frage, ob ein Reiter auch einen Ausgleichsport betreibt, heißt es meist "dazu habe ich keine Zeit". Aus eigener Erfahrung ist es aber oft notwendig. Ich arbeite Vollzeit als Reitlehrer, reite und erledige auch die anstrengenden Arbeiten rund herum auf dem Hof, ich bewege mich täglich viel und meistens draußen. Anscheinlich sollte das doch genug sein. Dem ist nicht so. Es kostet erst etwas Überwindung, tut dann aber unglaublich gut, wenn ich ganz bewusst etwas für mich tue. Sei es Walking im Wald, Dehnungsübungen vor dem Reiten oder eine Feldenkraislektion um bewusst wahrzunehmen, wo ich vielleicht unnötig angespannt bin. Es kostet nicht viel Zeit. Der schwerste Weg ist bei sich anzufangen. Nicht die Fehler beim Pferd suchen, anderen Vorwürfe machen, Hilfsmittel zu missbrauchen, weil alles andere auch nicht funktioniert. Einfach mal sich selbst prüfen. Wie locker bin ich eigentlich. Belaste ich beim reiten wirklich gleichmäßig? Wie angespannt sind meine Hände und Arme und ich sage Euch nach 7 Karren Mist schieben und 150 Bund Heu packen und 6 Zaunpfählen reinhauen, sind die Hände und Arme angespannt.

Man sagt immer das Pferd ist der Spiegel des Reiters. Wenn ich fest und angespannt bin, fällt es dem Pferd ebenso schwer sich zu lösen. Wenn ich angespannt bin und es merke, kann ich mich lösen, kann ich das Pferd lösen. Wenn ich es nicht merke, fängt das Getue an. Es hat also viel mit bewusst werden zu tun. Die meisten Reiter die ich unterrichte, sind nicht selber in der Branche tätig, sondern haben ein oder zwei Pferde, die sie neben ihrem eigentlichen Beruf reiten oder auch trainieren wollen, um an Turnieren zu starten. Nach der Arbeit gerade noch reiten. Aber wie viel vom Alltag bringt man mit aufs Pferd. Sei es, das nicht Abschalten können im Kopf oder den Rückenschmerz vom vielen Sitzen. Das Pferd wird erwärmt, aber erwärmt und dehnt sich auch der Reiter, bevor er sich, wie ein vollgepackter Rucksack aufs Pferd setzt? Weiterhin unterrichte ich viele Reiter, die schon als Kind angefangen haben und jetzt erwachsen sind oder wieder eingestiegen sind. Auch das ist ein wichtiger Punkt. Man verändert sich. Der Körper und die Muskulatur verändern sich. Das denken verändert sich. Viele erzählen mir: " Ja früher, da bin ich noch jedes Pony über jedes Hindernis auch ohne Sattel gesprungen und wenn die gebockt haben, dann haben wir gelacht. Heute würde ich, abgesehen davon das ich nicht mehr auf ein Pony passe, mir das nicht mehr zutrauen. Heute ist es sogar so, dass wenn mein Pferd mal einen Sprung zur Seite macht, ich mich so verspanne, das mein Nacken drei Tage weh tut."

Es ist schwer zu akzeptieren, aber man verändert sich. Die Konstitution wird eine andere. Als 20 jährige habe ich noch mein Abi mit dem Sportleistungskurs gemacht und bin 200 m Sprint gelaufen. Jetzt sprinte ich zwar mal hinter meine Kindern her, aber sollte ich wirklich 200m sprinten, hätte ich wohl anschließend Schnappatmung. Reiten ist für mich Sport und jeder Sportler, also meiner Meinung nach auch jeder Reiter, sollte sich im gewissen Maß fit halten, bewusst werden, um wirklich immer gerecht und feinfühlig aufs Pferd eingehen zu können.

» Das Super food des Reitunterrichts

Es ist sehr individuell, es ist spannend und fein abgestimmt auf die eigenen Bedürfnisse, es macht glücklich und ist nachhaltig. Der Einzelunterricht.

Ich unterrichte Kinder und Erwachsenen einzeln, die Ergebnisse sind wunderbar und es ist immer eine tolle Einheit für den Reiter, für das Pferd und auch für mich als Lehrer.

Ich unterrichte ja schon über viele Jahre, meistens in Gruppen. Ganz zu Anfang vor meiner Selbständigkeit unterrichtete ich auf verschiedenen Höfen meist recht große Gruppen bis zu 9 Reitern. Das geht zwar auch, aber es war nicht so sehr in meinem Sinne. Denn wie viel kann ich in 45 bis 60 min. an 9 verschiedene Menschen mit 9 unterschiedlichen Pferden an Korrektur und Hilfengebung weitergeben? Definitiv zu wenig.

Ich baute mein System auf zunächst mit 4er Gruppen. Aber auch hier stellte ich fest, dass der Weg sehr lang sein kann, um einen einzelnen seiner Bedürfnisse entsprechend in der Gruppe zu fördern. Die Zielsetzung muss auf alle abgestimmt sein. Auch die Ziele im Training der Pferde sind doch sehr unterschiedlich. Ich verkleinerte meine Gruppen auf 2 Reiter aber was wirklich gut sind die Einzelstunden. Mein Bestreben ist aus einem interessierten Kind, einen echten Pferdemenschen zu machen. Nicht nur drauf hocken und bestimmte Techniken einüben, sondern echtes Gefühl entwickeln, feine Hilfen zu lernen, Sachverstand zu erlangen und das Pferdeverhalten verstehen lernen. Auch im Unterricht mit Erwachsenen zeigt sich immer wieder, dass die meisten sich einzeln oft am wohlsten fühlen und auch am meisten mitnehmen können. In (zu) vielen anderen Bereichen muss man sich schon anpassen, einer Gruppe oder einem Team fügen. Manchmal sogar innerhalb der Familie kommen die eigenen Bedürfnisse zu knapp. In dem Moment wo man dann Einzelunterrricht erhält ist man ganz alleine wichtig. Man darf sich wie auf ein Podest gestellt fühlen und bekommt alle Aufmerksamkeit die nötig ist.

Fallbeispiele:

1) Eine Frau mittleren Alters, Mutter von 2 Kindern, berufstätig
Seit Jahren nicht mehr geritten, als Jugendliche sehr viel.
Bereits nach der ersten Einzelstunde war diese Frau so glücklich und sagte, dass sie es so vermisst habe, dieses Gefühl etwas nur für sich zu tun. Das draußen sein, das berühren des Pferdes und ja auch den Muskelkater danach. Sich bewegen und etwas gutes für die eigene Sportlichkeit tun. Sie war so zufrieden und brachte auch diese Gefühl mit nach Hause, hatte neue kraft für den Alltag gewonnen. Nach der 5. Stunde entstand sogar etwas Ehrgeiz. Nicht mehr nur von dem Pferd “mitgenommen” zu werden, sondern auch gemeinsam mit dem Pferd etwas zu erreichen. Wir fingen an Schritt – Galoppübergänge zu reiten und das Pferd über Stangen zu gymnastizieren. Ein tolles Training auch weiterhin.

2) Ein älterer Mann kommt zu Einzelstunden, seine Frau hatte ihm das zum Geburtstag geschenkt, da der Mann, der schon vieles im Leben erreicht hatte, den Wunsch äußerte mal auf einem Pferd zu sitzen und durch den Wald reiten zu wollen.
Nach einiger Übung machten wir dann den ersten Ausritt, ich nahm ihn zur Sicherheit zwar noch als Handpferd, aber das Ergebnis war rührend. Der Mann sagte es sei besser als segeln, besser als in den Urlaub zu fahren, besser als durch den Wald zu joggen. Die Ruhe und Trittsicherheit des Pferdes waren sehr überzeugend. Seine Frau war ganz neidisch, sie wollte das auch erleben. Nun reiten beide.

3) Ein Kind, 4 jährig angefangen, zunächst sehr schüchtern und aufgrund von Übergewicht, nicht sehr beweglich und schnell aus der Puste
Mit den Einzelstunden machte es auf einmal Sinn sich zu bewegen. Und es machte Spaß sich zu bewegen und wer muss noch schüchtern sein, wenn man hoch erhoben auf dem Rücken eines Pferdes, an der Longe durch die Halle galoppiert. 2 Jahre sind nun vergangen und ganz viel hat sich zum positiven verändert. Das Kind ist fitter und kann locker und angespannt sein. die Schüchternheit ist verflogen und die bevorstehende Einschulung kann nun viel entspannter angenommen werden.

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Sprung über ein Hindernis
Joana Röthemeyer

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